Als ich 17 Jahre war (das ist sooo lange her, starb damals ein sehr sehr gute Freundin von mir an einer schweren Nierenerkrankung). An folgendes Gedicht von Marie Luise Kaschnitz muss ich seitdem oft denken:
Ein Leben nach dem Tod
Glauben Sie, fragte man mich,
an ein Leben nach dem Tode?
Und ich antwortete: Ja!
Aber dann wusste ich keine Auskunft zu geben,
wie das aussehen sollte ...dort.
Ich wusste nur eines:
keine Hierarchie von Heiligen,
auf goldenen Stühlen sitzend.
Kein Niedersturz verdammter Seelen.
Nur...
Nur Liebe,
frei gewordene,
niemals aufgezehrte,
mich überflutend.
Kein Schutzmantel,
starr aus Gold,
mit Edelsteinen besetzt.
Ein spinnwebenleichtes Gewand,
ein Hauch Schultern,
Liebkosung,
schöne Bewegung
wie einst von tyrrhenischen Wellen,
wie von Worten, die hin und her,
Wortfetzen...
Komm, Du, komm...
Schmerzweb, mit Tränen besetzt
Berg- und Talfahrt,
und Deine Hand
wieder in meiner.
So lagen wir, lasest Du vor,
schlief ich ein,
wachte auf,
schlief ein,
wachte auf.
Deine Stimme umfängt mich,
entlässt mich,
und immer so fort...
Mehr also, fragen die Frager,
erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antworte: Weniger nicht!
(Marie-Luise Kaschnitz)