Liebe Familie Riße,
unsere Tochter (19 Jahre) kam im Juni 2014 nach der Disco nicht nach Hause. Nach qualvollen Tagen und Nächten wurde sie gefunden. Ermordet und sexuell missbraucht.
Wir haben das Geschehen um Anneli mitverfolgt und haben dabei unsere eigene Geschichte mit der ganzen Suche und Ungewissheit noch einmal durchlebt.
Wir konnten erahnen, wie es Ihnen nach der schrecklichen Nachricht ging.
Das es Ihnen den Boden unter den Füssen wegziehen würde.
Auch wir waren bei dem Prozess dabei, wir wollten stark sein für unser Kind, wollten für sie kämpfen. Die Strafe für den Mörder: Lebenslänglich. Was in Deutschland heisst: 15 Jahre. Lebenslänglich bedeutet nicht lebenslänglich. Aber unsere Kinder sind lebenslang tot, sie kommen nicht wieder zurück zu uns. Und wir Familien haben lebenslänglich, für immer. Nichts ist mehr, wie es war. Im Prozess ging auch nicht wirklich um unser Kind, sondern mehr um seine schlimme Kindheit, sein Elternhaus, keine Ausbildung usw. Unser Kind hatte alles. Wir kämpfen heute noch gegen die Behörden, alles muss beantragt werden. Die Opfer haben in Deutschland weniger Rechte als die Täter. Die werden irgendwann ins Leben zurück geführt. Wir Eltern und Geschwister müssen selber sehen, wir wir all das verarbeiten. Die Umwelt erwartet, dass es nun auch mal wieder gut ist, unser Kind ist ja schon 2 Jahre tot. Aber wir können das Geschehen nicht vergessen. Die viele Tage ohne unser kind, das schreckliche Verbrechen, was ihr angetan wurde. Das lässt sich nicht so einfach abschalten...Wir vermissen unsere Jasmin jeden Tag aufs Neue, egal, was wir tun. Und das wird immer so bleiben.
Wir wünschen Ihnen alle Kraft der Welt, diesen Prozess durchzustehen. Aber es wird nicht besser durch die Verurteilung, egal, was dabei rauskommt. Unsere Kinder kommen nicht zurück, und eine gerechte Strafe kann es für so ein grausames Verbrechen nicht geben.
In tiefer Verbundenheit mit Jasmin im Herzen und in Gedanken an ihre Anneli.????