Die Beiträge in diesem wertvollen Buch sind in der Tat nicht mehr so zahlreich. Was nicht bedeutet, dass Anneli und ihr furchtbares Schicksal vergessen wurden. Vermutlich werden
jetzt zu den Feiertagen wieder einige Menschen die Gelegenheit nutzen, ihre Gedanken und Gefühle mit anderen ähnlichen empfindenden Menschen zu teilen. Man kann sich nicht permanent mit quälenden Gedanken beschäftigen, ohne Schaden zu nehmen, gleichwohl ist es sicher nicht so, dass das sinnlose Verbrechen an Anneli und die damit verbundene schicksalhafte Beeinträchtigung so vieler Leben ohne weiteres aus dem Gedächtnis oder der Gefühlswelt auch nicht direkt Beteiligter gestrichen werden können.
Feiertage sind immer auch Familienfeste und Tage, an denen besonders derer gedacht wird, die nicht mehr im Familienkreis anwesend sein können. Und so wird auch Familie Riße ihre traumatischen Erlebnisse hoffentlich überwiegend durch die schönen Erinnerungen an Anneli-Marie wenigstens teilweise kompensieren können.
Bei mit treten in diesen Tagen wieder verstärkt Empfindungen auf, mit denen seriös umzugehen ich seit Jahren versuche, darunter auch extreme Gedanken. Und ich bin sicher, dass meine Empfindungen auch von anderen Menschen geteilt werden, ohne dass sich dies in häufigen Gästebuchbeiträgen niederschlägt: die Erinnerung verblasst, die aufwühlenden Gefühle sind nicht mehr so intensiv, Verständnislosigkeit, Trauer und Mitgefühl sind dennoch immer ( wieder ) präsent.
Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine überirdische Gerechtigkeit, auf ein wie immer geartetes Leben nach dem Tad, darauf, dass jedes Leben seinen Sinn hat, letztlich, dass sich unsere Existenz nicht allein widerspiegeln sollte in den Entwicklungen dieser Gesellschaft und dieses Planeten, die einem jegliche Hoffnung nehmen könnten.