Heute also, heute wäre Anneli 18 geworden, ein furchtbarer Tag für Sie, Familie Riße. Doch nur einer aus all den nur noch furchtbaren. Die Sonne scheint, der Sommer beginnt. Anneli aber hat keinen Sommer mehr, genommen, alle Sommer, alle Jahreszeiten wurden ihr genommen. Auch Ihnen. Ist ihr Zimmer noch wie es war an ihrem letzten Tag ? Liegt immer noch ein leiser Duft von ihr in der Luft darin, in ihren Jeans, ihren T-Shirts ? Das Klavier, sicher wird es nie wieder gespielt werden, es musste verstummen.
Die Sonne scheint weiter, draußen lachen die Menschen, genießen den Sommer. Zeit soll ja angeblich Wunden heilen. Sie tut es nicht. Aber sie verhilft dazu, was ich Ihnen wünsche, dass Sie vielleicht wieder Glücksmomente im Kreise Ihrer Familie verbringen können.
Nein, es ist kein Trost, dass auch andere Eltern ihr Liebstes verloren, ob nun durch einen Unfall oder ein Verbrechen - all das ist sinnlose Gewalt, die einen an Gott zweifeln lässt.
Nein, ich weiß kein Wort des Trostes, schon gar nicht all die Labereien wie 'da oben leuchtet ihr Stern'. Ich weiß, Sie möchten kein Sternengeblinkere, Sie möchten Ihre Anneli zurück. Da hilft kein Stern. Sie sind zu einem gnadenlosen Leben im Konjunktiv verurteilt worden. Jeden Tag dieses 'was hätte sie jetzt wohl gesagt', wie hätte sie ihren 18. Geburtstag gefeiert, was hätte sie studiert, wie wäre ihre Karriere verlaufen, mit wem hätte sie eine Familie gegründet...hätte......
Nein, ich habe keinen Trost dafür.