Liebe Familie Risse,
an den Einträgen im Gästebuch, die ich fast täglich lese, sehe ich, dass es vielen Menschen ähnlich geht wie mir. Anneli ist seit ihrem Tod in mein Leben getreten und sie wird wohl auch dort bleiben. Ich gehe schlafen mit dem Gedanken an sie, stehe mit dem Gedanken an sie auf. Leider sind es sehr traurige Gedanken und sie bedrücken mich oft, wenn ich eigentlich sehr Schönes erlebe, so, als wenn ich mich schuldig fühlte, dass es mir gut geht. Auch bei mir ist die Reaktion so menschlich und natürlich wie bei den vielen anderen Mitleidenden: unbändige, ohnmächtige Wut angesichts von Menschen, die nichts Menschliches mehr an sich haben, Hilflosigkeit gegenüber dem Unabänderlichen, ja vielleicht sogar etwas, was ich in meinem Leben bislang nicht kannte und für das auch noch kein Anlaß bestand: blanker Hass. Umso mehr zolle ich Ihnen meine aufrichtige Bewunderung für ihre Art der Schicksalsbewältigung. Ich konnte erst gestern den Beitrag im Stern TV v. 15.6. sehen und musste meine Tränen gewaltsam zurückhalten. Umso mehr hat mich beeindruckt, dass sie nicht vom Hass zerfressen sind, obwohl Sie allen Grund dazu hätten. Wobei man ja weiß, dass Hass letztlich zur Zerstörung des eigenen Lebens führt.
Liebe Familie Risse, man merkte auch in dem Beitrag, wie nahe Sie sich in der Ehegemeinschaft und in der Familie sind. Auch das ist angesichts der unglaublich belastenden Situation nicht selbstverständlich. Ich wünsche Ihnen wirklich von ganzem Herzen Gottes Segen und die Kraft, das Erlebte so zu verarbeiten , dass sie irgendwann auch wieder leben können mit dem, was das Leben unter zivilisierten Menschen lebenswert macht. Und ich bin sicher, dass Anneli das auch so wollen würde. Ich jedenfalls werde in dem Leben, was mir noch bleibt, weder Sie noch Anneli jemals vergessen.