Liebe Familie,
es war gestern fast gespenstisch Ihre wundervolle Tochter auf den Filmaufnahmen am Klavier zu sehen. Sie wirkte etwas entrückt und war wunderschön. Es ist schwer vorstellbar, dass dieser Mensch nicht mehr leben soll. Durch den Beitrag ist die Lücke klar geworden, die in Annelis Umfeld entstanden ist. Ich finde es so wichtig, dass einmal gezeigt wird, wie es den Angehörigen geht und welche Auswirkungen eine solche Tat hat, nicht nur auf das unmittelbare Opfer. Die Opfer und Hinterbliebenen kommen einfach immer zu kurz, die Täter hingegen sind es nicht wert, dass man sich an sie erinnert. Mir tut es im Herzen weh, wenn ich an die letzten Lebensstunden ihrer Kleinen denke. Ich hoffe und wünsche mir, dass sie in irgendeiner Form einen "Beistand" bei sich hatte. Es gibt ja diese psychischen Phänomene, dass Gewaltopfer während großer Belastung sozusagen aus dem Körper austreten, der Geist sie abschirmt und dadurch schützt - sie neben sich stehen und nicht alles spüren. Ich kann Ihren Zwiespalt gut verstehen, dass Sie alle Details wissen wollen, um ihrer Tochter vielleicht rückwirkend beizustehen oder ihren Leidensweg nachzuvollziehen. Gleichzeitig die Angst davor, alles genau zu wissen. Es war so mutig von Ihnen, den Ort aufzusuchen, wo Ihre Tochter Ihr Leben genommen wurde. Man kann sich das kaum vorstellen. Verständlich, dass sie Genugtuung im Namen Annelis wünschen, für das, was sie erleben musste. Ich wünsche diesen Kreaturen, dass sie bis ans Ende ihres erbärmlichen Daseins die Bilder vor Augen haben und nie wieder auch nur einen Funken Zufriedenheit verspüren. Sie haben ein vielversprechendes, unschuldiges Leben ausgelöscht...das kann man kaum verstehen, wie schwer das wiegt. Ihre Anneli wird nie vergessen werden.