Kurzgeschichte:
Unmöglich
Ich schaue auf ein Bild eines Mädchens, 17, das Bild eines schönen Mädchens. Die Freude der Augen, die ja zum Leben sagen springt den Betrachter an. Die Fröhlichkeit mit der das Mädchen dem sich gerade öffnenden Tor des Lebens zustrebt um erwartungsvoll hindurchzugehen ist dem offenen Lächeln, das aus dem Bild strahlt, anzusehen. Das Mädchen ist stolze Besitzerin von vier Eineinziger Plätzen im Herzen andere Menschen, einer Mutter, einem Vater, einem Bruder und einer Schwester. Eineinziger Plätze sind schön, das schönste, was ein Mensch verschenken kann, das schönste, was ein Mensch geschenkt bekommen kann. Die gibt es nicht um Geld, sondern nur um Geschenkt. Gleich vier zu besitzen ist eine Gabe, die nicht viele Menschen haben. Das Mädchen hat sie. Und in ihrem Herzen ist noch Platz für Eineinziger Plätze. Einem Mann, Kindern…, das Leben wartet auf sie. Wer von so viel Liebe ins Leben getragen wird, was kann da passieren?
Doch plötzlich aus heiterem Himmel. Das Herz will schlagen, aber es darf nicht, es kämpft, aber es darf nicht. Angehalten, brutal angehalten. Nur ein kleines Mädchen, 17.
Ungelebtes Leben
Die Eineinziger Plätze sind plötzlich leer. Mutter, Vater, Schwester, Bruder, leer. Dort getroffen wo niemals Hoffnung besteht, jemals gesunden zu können, leer. Wer wir je ermessen können, wie groß die Lücke bei Mutter, Vater, Schwester, Bruder ist, wenn man sie schon als Außenstehender nicht erfassen kann.
Man will helfen, wissend, dass man machtlos ist
Man will Worte suchen, wissend, dass man sprachlos bleibt
Man will Trösten, wissend, dass es keinen Trost gibt
Man will Kraft gebend, wissend das es niemals reicht
Was bleibt zu tun. Man kann nur die Arme öffnen und die Familie darin einschließen und mit ihr weinen, als Mensch unter Menschen.
Quis est Homo, qui non fleret (aus Stabat mater)
(Wer darf sich Mensch nennen der da nicht weint)