Liebe Familie Riße,
viele Monate sind nun seit dem schrecklichen Ereignis ins Land gegangen.
Doch auch mir geht Ihr Schicksal (so wie vielen anderen) immer noch sehr nahe.
Ich besuchte das Grab von Anneli-Marie, stand kopfschüttelnd am Ort der Entführung und las mit Betroffenheit
Ihre herzlichen, offenen und doch so schmerzerfüllten Worte auf dieser Seite. Speziell das Gedicht von Ihnen, lieber Frau Riße, hat mich sehr berührt.
Was soll man schreiben, wo einem keine Worte einfallen..
Ein Versuch...Zunächst finde ich es herzergreifend, wie offensiv Sie mit dem Verlust Ihrer geliebten Tochter umgehen. Ich bin Atheist, doch in den letzten Monaten habe ich mir mehr als einmal gewünscht, dass es so etwas wie "Ein leben nach dem Tod" gibt und Sie dort mit Anneli-Marie wieder vereint sind und sich wiedersehen.
Die Gründung der Stiftung und deren Inhalte zeigen außerdem, dass Sie ein großes Herz haben. Anneli-Marie's Interessen und Talente spiegeln sich darin genauso wider wie Ihre Hilfsbereitschaft und Naturverbundenheit. Zudem war ich äußerst beeindruckt von der letzten Aufgabe der Stiftung (Betreuung von Familien mit Trauma-Erlebnissen).
(@Anett: Falls Du denn folgenden Satz unpassend findest, bitte weglassen.)
So wie ich Sie als Familie über diese Seite kennengelernt habe, implizieren Sie damit nicht nur Opferfamilien, sondern auch Angehörige, insbesondere Kinder, von Täterfamilien. Meine Hochachtung dafür.
Das Anneli-Marie in einem Moment mit 17 Jahren, wo das Leben eigentlich erst so richtig anfängt und Ihr alles offen steht, Ihnen und Ihren Freunden genommen wurde, macht einen als Außenstehenden umso trauriger und das Geschehene
umso Unbegreiflicher. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie den Spagat zwischen Alltag(wieder etwas wie Normalität/vielleicht freudige Momente irgendwann..) in Ihrem Leben und dem Zulassen der Trauer mit der Zeit immer besser schaffen. Die Worte Florians und das Video von Anneli-Marie's bester Freundin machen betroffen. Ich hoffe Ihr beiden findet und geht Euren Weg, mit Anneli-Marie in Eurem Herzen!
Eine gänzliche Normalität wird sich nie mehr einstellen, und das soll es auch nicht. Anneli-Marie wird immer in Ihren Gedanken und den Gedanken vieler tausend anderer Menschen existent sein.
Ein paar letzte Worte zum bevorstehenden Prozeß: Bitte erwarten Sie nichts von solchen Unmenschen, kein Wort der Entschuldigung, keine Reue oder irgendeine Geste des Bedauerns.
Beiden blieb selbst nach der Entführung noch genug Zeit Ihr Handeln zu überdenken, sich zu hinterfragen "Was mache ich eigentlich hier für einen Mist", etwas Menschlichkeit zu zeigen und damit von der schrecklichen Tat abzulassen.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die nächsten Wochen,
Herzliche Grüße aus einem Nachbarlandkreis, Nico