Da stehe ich und suche den klaren kalten Himmel ab. Die Lichter sind aus, das Haus ist kalt, es weht ein wirklich kalter Wind. Und dann habe ich Dich gefunden. Oder besser Deinen Stern.
Ich weiß nicht, ob Du wachst, ob Du schläfst; und wieder muss ich heulen bei dem Gedanken: Du HÄTTEST vielleicht jetzt geschlafen, Du HÄTTEST Dich vielleicht jetzt auf den letzten freien Tag gefreut, Du HÄTTEST am Montag vielleicht einen langen, stressigen Tag gehabt, Du HÄTTEST vielleicht „gemeckert“, wenn Du heimgekommen wärst, Du HÄTTEST…
Mein Gott, ich frage mich oft: Was für ein unendlicher Wahnsinn muss diese zwei „Menschen“ befallen haben, um Dir Dein Leben zu nehmen?
Nein! Ich will mich nicht in Gedanken verstricken, die so sind, wie die, die Dir das angetan haben. Auch wenn die Wut, die Angst und das Mitgefühl schon die Bahn zu ebnen begonnen haben. „Die Rache ist mein, ich will vergelten; spricht der Herr…“ ich glaube daran. Und nichts, was ich jetzt tue, würde Dich zurückbringen, diesen schrecklichen Sommer ungeschehen machen oder Deinen Eltern einen Stunde mehr Schlaf schenken.
Aber das würde auch der unfassbare Hass nicht tun, den ich erstmals in meinem Leben empfinde. Und so behalte ich Dich lieber in meinen Gedanken, als kleine große Klavierspielerin, als Schönheit, als manchmal verschlafenes und verbimmeltes Sprachtalent, als ein Mädchen unter vielen Mädchen, das einfach dieses scheiß Schicksal nicht verdient hat! Gott möge Dich schützen, Dich aufgenommen haben und Dir die Chance geben, Deinen Eltern einen Gruß zu schicken!