Liebe Familie Riße,
am Anfang wollte ich mich einmal an Annelis Grab wagen, nun war ich schon dreimal dort und immer wieder frage ich mich, ob ich vielleicht störe oder „ob man das nicht tut“. Aber dann denke ich an Ihre Kleine und wünsche mir, dass sie sich vielleicht auch ein bisschen freuen würde, wenn irgendwer deshalb von der Autobahn abfährt, weil er an sie denkt.
Meine Großmutter sagte immer, dass wenn ein Kind geboren wird, ein Licht im Haus zu glimmen beginnt, das Tag für Tag heller würde. Bei allem was wir über Annelie wissen, über ihre Talente, über ihren Fleiß, über ihre Schönheit und über die Chancen die sie für ihr Leben im Gepäck hatte, ist es verständlich, dass es uns noch lange leuchtet, wie ein Stern.
Wenn man es gewöhnt ist, Gefühle zu verstecken, Gedanken zu verbergen, sich nichts anmerken zu lassen, dann ist man um so mehr verwundert, wenn man einfach nicht anders kann, als unendliches Mitgefühl zu empfinden und ebenso unendlichen Hass. Von beiden Gefühlen werde ich wohl, wie viele andere auch, nach diesem schrecklichen Sommer nie mehr ganz loskommen. Anneli wird immer ein Splitter in unseren Herzen bleiben, auch wenn der Wunsch, sie würde irgendwann einmal einfach so an einem von uns vorbeigehen, wohl unerfüllt bleiben muss.
Sie und Anneli sind jeden Tag in unseren Gedanken und in unseren Gebeten.
Uta & Paula & Frank