Liebe Familie Riße, heute ist wieder ein Vierzehnter... Wie damals im August. Es ist nun vier Monate her und es ist auf ewig unbegreiflich. Sie denken sicher Tag und Nacht an Anneli. Und ich habe Ihnen schon so viel geschrieben, ich versuche, das zu schreiben, von dem ich denke, dass es mir in Ihrer Situation evtl. helfen würde. Doch eine solche Situation kann man sich eben schlecht wirklich vorstellen, man kann das Leid zwar erahnen, aber ich glaube, die Gefühle, die Sie haben, sind nicht in Worte zu fassen. Deswegen hoffe ich, dass es Ihnen wenigsentens ein klein wenig hilft, was hier geschrieben wird, und dass es für sie keine Plattitüden sind, wie jemand weiter unten vermutet hatte. Wenn jedoch irgendetwas Unangemessenes dabei war in meinen Texten, dann entschuldige ich mich aufrichtig. Ich versichere Ihnen, dass ich immer sehr darum bemüht bin, respektvoll und behutsam zu schreiben, und ich denke und hoffe, dass ich immer taktvoll war. Das, was ich hier schreibe, und ich denke, das gilt auch für die anderen Schreiber, ist das, was ich fühle und was aus meinem Herzen spricht. Ich wünsche mir einfach, dass es Ihnen eines Tages wieder ansatzweise besser gehen kann. Anneli wird nämlich in Ihren Herzen ewig wohnen. Dass sie wunderhüsch war, ist das, was sofort ins Auge sticht. Wenn man Ihre Texte liest, merkt man, dass sie noch viel, viel mehr war, sehr intelligent und begabt, voll Mitgefühl und beliebt, einfach ein nettes Mädchen. Was ihr geschah, hat sie nicht verdient, das hat niemand verdient. Und das, was IHNEN geschah, Familie Riße, das haben Sie auch nicht verdient! Sie haben es nicht verdient, dass man Ihnen das "Liebste auf der ganzen Welt" nimmt, sie haben es verdient, dass dieses Liebste bei Ihnen ist. Es tut mir so unsagbar leid. In großer Anteilnahme