Die ganze Zeit frage ich mich: Wo war Gott, als solche Monster Anneli in ihre Gewalt genommen haben? Ich frage mich auch, wie Sie, liebe Familie Riße diesen unsäglichen Schmerz aushalten und bete für Sie, dass Sie vor so viel Sinnlosigkeit nicht zerbrechen. Immer wieder gehen mir Ihre berührenden Zeilen durch den Kopf… von Annelis Klavierspiel, den Städten aus Papier, die sie gebaut hat und dann wünsche ich mir, dass ich Anneli selbst gern kennengelernt hätte, diesen wunderbaren, verrückten Menschen, der soviel Tiefgründigkeit in seinen Augen erkennen lässt. Wenn es stimmt, dass wir unsere Lieben eines Tages im Himmel wiedersehen, dann möchte ich mal mit Anneli etwas Vierhändiges auf dem Klavier spielen. Irgendwann bringe ich Anneli in Sora eine Rose vorbei, als Zeichen der Verbundenheit mit einem Menschen, den ich nie gekannt habe, an den ich seit August jedoch täglich denken muss.
„Liebe ist stark wie der Tod“ heißt es im Hohenlied. Ich wünsche Ihnen so sehr, dass die Liebe zu Ihrer Tochter und Schwester und zu sich selbst stärker ist als alle sinnlose Grausamkeit. Ich wünsche Ihnen, dass diese Liebe irgendwann Spuren hinterlässt und anderen Menschen im Sinne ihrer Tochter geholfen werden kann. Und wenn Sie sich ganz am Boden fühlen, rufen Sie sich immer neu in Erinnerung, wie viele Menschen mit Ihnen fühlen und sie gerade in Gedanken umarmen.
In herzlicher Verbundenheit
Marcel