Liebe Familie Riße,
ich schreibe Ihnen heute zum zweiten Mal. Meine erste Nachricht hinterließ ich Ihnen am
26. August, knappe zwei Wochen nach dieser schrecklich und noch immer fassungslos zurücklassenden Tat. Inzwischen dürfte diese Nachricht längst auf Seite 30 bis 35 stehen, denke ich.
Eigentlich sollte meine zweite Nachricht an Sie schon früher verfasst werden, nämlich passend zum Sechswochenamt Ihres kleinen Engels. Ich hatte mich auch gedanklich oft schon damit befasst was ich schreiben wolle. Ich setzte mich also hin, fing an die Tasten der Tastatur zu tippen und benutze aber immer wieder die Lösch-Taste, weil mir die geschriebenen Worte nicht angemessen genug erschienen. Einmal wieder kamen dann die Gedanken und Bilder vor dem inneren Auge, mit den vielen liebevollen Erinnerungen an Ihr Liebest auf der ganzen Welt, die Sie für uns Fremde hier auf dieser Internetseite zugänglich gemacht haben. Ich dachte an Annelis Lieblingslied „Lieblingsmensch“, das ich seit dem schlimmen Tag im August fast täglich auf der Hin- oder Rückfahrt von der Arbeit im Radio hörte, an die Beschreibung des tollen Charakters von Anneli und die Bilder von Anneli. Aber dann auch an das traurige Bild von Ihrem weißen Sarg. Ich entschloss mich dann mit meiner zweiten Nachricht zu warten, da meine Worte nicht mal mich selbst hätten trösten können, so emotional betroffen und traurig war ich, da ich immer noch keine Antwort auf diese verheerende Frage nach dem „Warum“ gefunden hatte und wir vermutlich auch nie eine bekommen werden.
Nach Ihrer herzzerreißenden Danksagung fehlten die passenden Worde erst recht und die Tränen in vielen fremden Gesichtern kamen erneut und hielten lange an.
Ich selbst, der sonst selten weint und emotional ehr gefasst ist, konnte die Tränen nach dem Lesen der Danksagung nicht unterdrücken.
Ihre Wortwahl brachte wieder einmal zum Ausdruck in welchem harmonischen, herzlichen und liebevollen Verhältnis Ihr Baby aufwachsen und groß werden durfte. Ihre Liebe zu Anneli war mit jeder Silbe spürbar und ließ jedem Menschen Ihren nicht endenden Schmerz fühlen.
Ich hoffe, dass ich heute die passenden Worte gefunden habe, wenn nicht verzeihen Sie es mir bitte, da es mir wirklich nicht einfach gefallen ist. Denn unsere Worte können Ihren schmerzhaften Verlust nicht rückgängig machen oder aufheben, aber vielleicht kann das Wissen mit dieser Traurigkeit nicht alleine zu sein, den Schmerz etwas lindern.
Ich bewundere Ihre Stärke, in dieser Situation diese Internetseite noch zu führen und uns Anteilnehmende an Ihren Gedanken und Ideen für Annelis Engel und Projekt teilhaben zu lassen. Für mich selbst, war es eine Herzensangelegenheit für diesen besonderen Engel, nämlich Ihren Engel zu spenden.
Ich selbst habe seit dem finsteren Tag im August jedes Wochenende hier in meinem Heimatort Kevelaer, der auch Wallfahrtsort ist, zwei Kerzen auf dem Kapellenplatz angezündet für Anneli und für Sie als Familie. Ein eigenes neues Lieblingslied habe ich seit diesem Tag auch, das mich an Anneli, aber auch an Sie als Familie denken lässt. Es ist das Lied „Ein Geschenk“ von der Band Ewig. Vielleicht hören Sie es sich einmal an oder kennen es bereits schon. Der Text erinnert mich sehr an ihr liebevolles Familienverhältnis und Ihren Dank an Anneli.
Denken Sie als Familie immer daran, dass Anneli nun von oben aus dem Himmel auf Sie schaut und Sie immer beschützen wird. Ihre kleine Maus wird immer an Ihrer Seite stehen und in den dunkelsten Stunden Ihnen ihre Hand reichen um diese Stunden gemeinsam zu durchstehen.
Auch nach über 11 Wochen, oder 79 Tagen oder 1896 Stunden denken wir alle an Sie und an Anneli. Ihr Schatz wird nicht nur durch diese Internetseite sondern auch durch die von Ihnen geschaffen Spuren in all unseren Herzen unvergessen bleiben. Dafür bin ich persönlich Ihnen sehr dankbar. Fühlen Sie sich von ganzen Herzen und noch immer kraftspenden umarmt.
Rene aus Kevelaer