Wir töten den nicht mehr, der getötet hat, wir lassen ihn leben -- und das bringt ihn um.
Gerhard Mauz hat diese Aussage in einem anderen Zusammenhang gemacht. Dennoch ist es genau das, was auf die beiden Mörder von Anneli-Marie zutreffen soll und zutreffen wird.
Nach der Phase des lähmenden Entsetzens mischt sich in die Trauer nunmehr auch Wut. Wut darauf, dass diese zwei Versager ein hoffnungsvolles junges Leben enfach vernichtet und damit eine Familie um das Liebste auf der Welt beraubt haben. Rücksichtslos, unmenschlich. Und aus welchem Grund? Diese großkotzigen Loser wollten auch einmal den Mann von Welt geben. Wenn ich allein das Bild des jüngeren dieser beiden Kreaturen sehe, dann bietet sich mir das Bild eines großkotzigen Gernegroß, der mit lässig gespielter Grandezza glaubt, er gehöre ganz weit nach oben. Dabei lacht ihm die genuine Bedeutungslosigkeit nachgerade aus dem Gesicht.
Wenn ich mir vorstelle, dass diese Typen Anneli-Marie aus Habgier und offensichtlichem maßlosen Geltungsdrang einfach umgebracht haben, dann kann ich nur wünschen, dass der Umstand, das unsere Rechtsordnung diejenigen, die getötet haben, am Leben lässt, diese Kreaturen umbringt. Nicht etwa in der Weise, dass jemand Hand an sie legt. Das bringt Anneli-Marie nicht zurück. Aber diese Typen sollen wegen dieses feigen Mordes durch die Hölle gehen. Sie sollen keine ruhige Minute mehr erleben. Sie sollen nachts schreiend aufwachen, vor Entsetzen vor ihrer eigenen Tat.
In der Knasthierarchie sind solche Typen realtiv weit am Ende angesiedelt. Das werden sie noch zu spüren bekommen. Erfahrungsgemäß haben solche Mörder nichts zu lachen. Ich befürworte zwar keine diesbezügliche Gewalt, aber ich habe insoweit auch kein Mitleid mit diesen Verbrechern, wenn es denn so käme.
Liebe Fam. Riße, Wut in dieser Situation zu haben ist eine ganz normale Trauerphase. Sie brauchen Ihre Gefühle der Wur auch nicht zu unterdrücken. Lassen Sie auch Ihrer Wut freien Lauf. Die kommende Zeit wird für Sie schwer genug werden. Die Tage werden kürzer, grau und dunkel. Es stehen schwermütige Feiertage bevor, bei denen Ihnen der Verlust Ihrer geliebten Tochter und Schwester mit einer Wucht ins Bewusstsein gebracht wird, von der ich mir keine Vorstellung machen kann, wie jemand damit überhaupt fertig werden kann.
Ich bin kein gläubiger Mensch - oder vielleicht doch ein bißchen? Jedenfalls ist Anneli-Marie jetzt an einem Ort, an den diese Mörder niemals kommen werden. Auch wenn diese Kreaturen aufgehört haben, physisch zu existieren, sollen sie danach keine Ruhe finden. Sie sollen bis in alle Ewigkeit Höllenqualen erleiden, ohne jemals hiervon erlöst zu werden.
Liebe Fam. Riße, sehen Sie mir es bitte nach, dass ich in dieser Weise meine Wut über den sinnlosen und unfassbaren Tod von Anneli-Marie zum Ausdruck bringe. Aber das muss einfach einmal raus.
Eine weltliche Bestrafung kann nicht die Gerechtigkeit für Sie und Anneli-Marie bringen, die der Untat angemessen wäre. Aber ich hoffe und wünsche, dass es irgendwann einmal eine Gerechtigkeit gibt, die das zu leisten vermag. Diese Gerechtigkeit wird aber keine weltlich sein.
Es bleibt mir auch diesesmal wieder nur zu wünschen, dass Sie die Kraft haben mögen, die kommende schwere und bedrückende Zeit zu verkraften. Sie sind eine wunderbare Familie. Bleiben Sie auch und insbesondere in diesen Zeiten der verzweifelten Trauer und des unsagbaren Schmerzes in festem Zusammenhalt verbunden. Das bietet Ihnen nicht nur Kraft und Trost. Es wird auch Anneli-Maries Wunsch sein.