Liebe Familie Riße,
an das "verbimmelt" habe ich mich gewöhnen können, das klingt richtig lustig. An Annelis Tod und an das, was ihr und Ihnen widerfahren ist, gewöhne ich mich nie.
Isabell vor mir schrieb, dass sie dem einen Monster einen langsamen Krebstod wünscht. Viele Menschen sterben in diesen Tagen einen qualvollen Krebstod, Menschen, die niemandem etwas zu Leide getan haben. Das ist meiner Meinung nach zu einfach für diesen schmierigen Widerling.
Wenn ich mir als Strafe für beide Mörder etwas wünschen dürfte, dann wünschte ich mir, dass die Justizbeamten es zulassen würden, dass in den Gefängniszellen der beiden niederen Kreaturen Tag und Nacht Tonträger abgespielt werden. Auf diesen sind Ihre liebevollen "Ein paar Worte" und die Einträge der mit Ihnen trauernden Menschen aus diesem Gästebuch zu hören - wundervoll vorgetragen von beispielsweise Schauspielern des Schauspielhauses Dresden oder Leipzig. Dazwischen die letzten verzweifelten Schreie von Anneli, die Sie, lieber Uwe, durchs Handy Ihrer Tochter hören mussten und doch nicht helfen konnten.
Tag und Nacht - in Endlosschleife, immer und immer wieder müssten die sich das anhören, damit sie ja immer erinnert werden und nie mehr vergessen, was sie getan haben. Und nur aus diesem einen Grund wünschte ich diesen beiden Finsterlingen ein recht langes, "wohlbehütetes" Leben hinter Gefängnismauern und -türen, die sich niemals mehr öffnen mögen.
In liebevollen Gedanken an Anneli und an Sie - Sabine aus Dresden.
PS.: Das, was jetzt noch folgt, ist nur für Sie bestimmt, bitte nicht veröffentlichen.
Ich weiß nicht recht, ob das, was ich grad schrieb, zu heftig ist, aber es sind meine Gedanken. Bitte entschuldigen Sie meinen Gefühlsausbruch, aber das musste einfach raus. Ich will das schon seit Tagen schreiben, heute habe ich den Mut dazu. Ich schick das jetzt einfach ab.
Danke für Ihr Vertrauen und den Mut Ihrer ältesten Tochter, mit Ihnen gemeinsam ein solches Werk zu schaffen. Danke.