Liebe Frau Riße,
leider habe ich Sie heute nicht persönlich angetroffen. Ich habe Ihnen 2 Briefumschläge da gelassen, einen von mir und einen von völlig fremden Menschen, di das Bedürfnis hatten, am Abend der Beerdigung an Annelis Grab zu stehen, genau wie ich. Wir haben uns ein Weilchen unterhalten und uns gegenseitig getröstet.
Ich denke täglich an Sie als Mutter, weil ich in etwa erahnen kann, wie Sie sich fühlen. Es ist so unnatürlich, wenn die Generationsfolge unterbrochen wird und Kinder vor uns gehen müssen. Mein Trost ist der Glaube, ohne den hätte ich mein Leben nicht geschafft. Dort finde ich immer wieder Zuflucht. Menschen können nur begrenzt helfen oder unterstützen, Gott weiß, wie es in uns Müttern aussieht, die ihre Kinder hergeben mussten. Seien Sie gewiss, Frau Riße, Sie sind nicht allein. Ganz viele Menschen denken täglich an Sie. Ich wünsche Ihnen Kraft und Gottes reichen Segen. Lassen Sie auch manchmal Ihren Tränen freien Lauf, das hilft ein kleines Stück auf dem großen Weg, den wir alle vor uns haben, weiter.
In Verbundenheit Christine