Liebe Anneli, es ist der Freitag vor Ostern. Und ich bin wieder in Gedanken bei Dir. Wie so oft, wie jeden Tag. Wieder habe ich Deinem Klavierspiel gelauscht. Wie schön Du Klavier spielen konntest. Vor einigen Wochen habe ich in der Meissner Ausgabe der Sächsischen Zeitung den Artikel über die beiden Bildhauer gelesen, welche den Engel erschaffen haben, mit Blumen in Deiner zarten Hand aus weissem Marmor. Im Juni werde ich Dich wieder besuchen und den weissen Engel sehen. Ich werde Dich niemals vergessen, liebe Anneli. Immer wieder werde ich Deinem schönen Klavierspiel lauschen. Und Dich immer wieder besuchen. Rote Rosen werde ich Dir schenken, jedes Jahr. Aber so oft meine Gedanken bei Dir sind, habe ich doch noch immer keine Worte gefunden für das was Dir angetan wurde. Alles haben die Dir genommen. Du Sonnenschein. Aber wie einstmals hier geschrieben: Du bist nun in einer Welt wo es so etwas nicht gibt. Liebe Eltern Anneli's, bestimmt sind sie jeden Tag und jeden Moment in Gedanken bei ihrer Tochter. Niemand wird jemals wirklich verstehen durch was sie gegangen sind. Und durch was sie gehen. Aber ich glaube, daß Anneli bei vielen Menschen unvergessen bleibt. Sie wird immer ihre Tochter sein. Sie wird immer in ihren Herzen sein. Ganz in der Mitte.
"Ach, schrittest du durch den Garten noch einmal im raschen Gang,
wie gern wollt' ich warten, warten stundenlang."
Theodor Fontane