Als ich vor nunmehr dreieinhalb Jahren das erste Mal von dem grausamen Verbrechen an Anneli erfuhr, war ich zutiefst entsetzt, schockiert. Dabei war es für mich ohne jede Bedeutung, dass das Opfer ein hübsches und begabtes Mädchen war. Was mich verstörte, war die Erkenntnis, zu welch unmenschlichen Taten menschliche Wesen fähig sind. Anneli-Marie war kein Engel, sie war kein Wesen von einem anderen Stern,; sie war ein Mensch.
Ein Mensch, der einfach nur sein Leben so leben wollte wie viele Andere auch. Dieses Recht wurde von hirn- und gewissenlosen Verbrechern niedergetrampelt, ihr Leben ohne auch nur den Hauch von Gewissen oder menschlichem Empfinden brutal beendet. Die Details, die nach und nach - insbesondere auch dank der Initiative der Eltern - bekannt wurden, haben uns das Schicksal von Anneli und ihrer Familie so sehr ins Gedächtnis gebrannt, dass wir es nicht vergessen werden. Wir durften teilhaben an dem Schmerz der Familie, haben Anneli und ihre Familie "kennengelernt", sind immer tiefer in ihr Schicksal eingetaucht. Unser hilfloses Bemähen, Trost zu geben, wo es nur wenig zu trösten gibt, dürfen wir uns seitdem von der Seele in dieses Buch niederschreiben. Wir mussten erfahren, dass die perfiden Täter ihr Opfer im Nachhinerin verspotteten, mussten einen Prozess erleben, in dem es mehr um das Wohl der Angeklagten ging als um das unsägliche Leid des Opfers und seiner Hinterbliebenen, und in dem ein "cleverer" Anwalt ein nicht gerechtfertigtes mildes Urteil für seinen Mandanten erwirkte. Wir müssen ertrage, dass ein gewissenloser Mörder heute anderen Menschen die Schuld für seine Tat zu geben versucht; derselbe Unmensch, der nach seinem grausamen Tun nichts Bessseres zu tun hatte als feiern zu gehen. All das trägt sicher dazu bei, dass uns der "Fall Anneli" intensiver beschäftigt, uns viel mehr berührt als die ebenfalls schlimmen Verbrtechen, die seitdem passiert und immer wieder geschehen. Und all das sollte auch Anlass genug sein, unser eigenes Denken und Handeln mehr zu hinterfragen und zu kontrollieren, mehr Rücksicht und Verständnis unseren MItmenschen gegenüber aufzubringen, achtsam miteinander umzugehen.
Die wunderbare Stiftungsidee wird dabei helfen, die Erinnerung an einen einzigartigen Menschen wachzuhalten