Sehr geehrte Familie Riße,
auch wenn wir uns nicht kennen, möchte ich Ihnen heute einmal meine Gedanken schildern.
Ich habe heute das Schuljahr für 36 neue Fünftklässler eröffnet. Vor dem Festakt besah ich mir die Kinder in ihrer Fröhlichkeit, Zerbrechlichkeit, Neugier und doch auch kindlicher Furcht vor dem neuen Lebensabschnitt. An zwei Dinge musste ich dabei besonders denken: meine eigenen Kinder (1 und 4) und an Ihre Tochter Anneli-Marie. Obwohl es viele Schicksalsschläge in Dresden gibt, hat mich keines so bewegt wie Ihres und das Ihrer Tochter. Fassungslos und unbegreiflich stellt sich mir der Gedanke, was sie durchleiden musste und sie dazu als Familie, als Eltern, als liebende Angehörige. Jeder Gedanke an Anneli und ihre Geschichte bewegt mich seit drei Jahren. Ich denke - obwohl mir persönlich unbekannt - oft an sie. Sie führt mir die Zerbrechlichkeit unserer Kinder und unser begrenztes Schutz-Bieten als Eltern vor Augen.
Als ich dann heute nach Hause kam, sah ich das große Foto von Anneli in der Zeitung: was für ein schönes, junges, pralles Leben sinnlos vernichtet wurde. Welches Leid damit auf unendlich viele Menschen geladen wurde. Unfassbar, was Menschen tun können.
Ich möchte Ihnen mein Mitgefühl und gleichzeitig Respekt aussprechen, was Sie mit der Anneli-Stiftung geschaffen haben. So hat Ihr unaufhaltbares Weggehen zumindest einen kleinen Wert erschaffen für andere Kinder und Jugendliche.
Ein stiller Gruß