Liebe Familie Riße,
etwas so Grauenhaftes ist geschehen, dass sie es nicht begreifen können. Niemand kann es und die Frage WARUM? kann auch niemand beantworten. Sie haben Ihre wunderhübsche und von allen geliebte Tochter verloren und niemand kann sie ihnen wiedergeben. Kaum einer kann nachvollziehen, was sie gerade durchmachen. Ich kann es ein wenig. Wir haben am 10. Juni auch vollkommen unerwartet unsere einzige Tochter im Alter von 26 Jahren verloren. Man wünscht sich selbst zu sterben oder verrückt zu werden ... die Welt muss doch einfach stehen bleiben ... aber es wird jeden Morgen wieder hell und am Abend dunkel. Es ist gut, dass sie soviel Mitgefühl erleben dürfen, auch wenn die vielen Wünsche nach viel Kraft nicht helfen. Wo soll denn die Kraft herkommen? Dies habe ich mich gefragt, nachdem ich die ersten zehn Beileidskarten gelesen hatte. Ich wünsche Ihnen viel Unterstützung durch Familie und Freunde und dies nicht nur jetzt, sondern auch in ein paar Monaten, wenn sich die öffentliche Anteilnahme wieder gelegt hat und eine gewisse Ruhe eingekehrt ist. Wir vermissen unsere Tochter wahnsinnig und es wird nicht weniger. Wir haben uns jetzt professionelle Hilfe gesucht, aber dies ist ihnen bestimmt schon angeboten worden. Es gibt Hilfe, wenn man möchte und dies ist auch wichtig. Es ist wichtig, sich Zeit zu lassen und sich diese zu nehmen. Nichts ist gerade wichtig, außer weiter leben und der jetzt auf sie zu kommende reale Abschied. Ansonsten gibt es keinen Abschied, Annelie wird immer zu ihnen gehören, so wie unsere Sophie zu uns. Nehmen sie die Zeichen an, die plötzlich unerklärlich da sind, die Taube oder bei uns einen Schmetterling. Ich wünsche ihnen alles Gute.