Liebe Familie Riße,
mittlerweile ist der Abend wieder etwas voran geschritten. Und doch verhält es sich so, dass man wieder einmal keine Ruhe findet. Wieder einmal sind die Gedanken wieder an einer ganz anderen Stelle – bei Ihnen. Wieder einmal versucht man, sich in Sie hineinzuversetzen, die Dinge zu verstehen, auf irgendeiner Art und Weise Worte zu finden, die jedoch weder im Ansatz ausdrücken, was in Ihnen vorgehen mag, noch, wie sehr ich Ihnen mein Beileid ausspreche und wie sehr ich mir wünschen würde, Ihre Trauer zu lindern. Doch als Bewohner eines naheliegenden Nachbardorfes beschäftigen mich der Fall um Ihre Tochter und die Folgen für Ihre Familie sehr. Umso mehr möchte ich daher versuchen, ein paar Worte zu finden, was mir in diesem Augenblick unglaublich schwer fällt.
Unzählige Male habe ich mir in den letzten Tagen ein paar Worte überlegt, oft genug habe ich diese wieder verworfen. Denn nichts in der Welt, kein Wort, ganz gleich, in welcher Sprache, vermag die Frage nach dem „Warum“ beantworten, auch die Fassungslosigkeit über die Tat zweier Monstren wird dadurch nicht aus der Welt geschafft. Und doch nimmt eine so große Vielzahl an Menschen Anteil in dieser alptraumhaften Zeit. Die Menschen machen dies, weil sie hoffen und sich wünschen, Ihnen damit, wenn auch nur ganz entfernt, ein bisschen Halt und vor allem Kraft zu geben. Sie machen dies, um mit Ihnen zusammenzuwachsen und deutlich Stellung zu beziehen. Sie machen dies, um die leuchtende Erinnerung an Ihre Tochter auf ewig zu wahren.
Familie Riße, ich kann wirklich nicht oft genug sagen und auch nicht deutlich ausdrücken, wie sehr ich Ihren Verlust und die Art und Weise, mit der er in Verbindung steht, bedauere und wie sehr Ihr Schicksal mich berührt. Es handelt sich bei meinen Worten wirklich um keine Höflichkeitsfloskeln, sondern um Aufrichtigkeit und wahrhaftige Anteilnahme, bei der ich beim besten Willen nicht weiß, wie ich sie ausdrücken soll. Gesagt soll dennoch sein, dass ich Ihnen von ganzem Herzen Kraft wünsche. Kraft, um mit diesem besonders schmerzlichen und in seiner Art so sinnlosem Verlust umzugehen. Kraft, um das Andenken an Ihre Tochter zu halten. Kraft, um vielleicht einmal irgendeines Tages in so etwas wie ein normales Leben zurückzufinden, in das Ihnen so ungerechterweise eingegriffen wurde. Ich würde mir dies wirklich für sie wünschen und wüsste nicht, wem ich dies zurzeit mehr gönnen würde. Meine Gedanken und die Gedanken meiner Familie sind bei Ihnen. Ich hoffe sehr, sie kommen an.
Für die Zukunft viel Kraft und alles Gute
wünscht Ihnen mit aufrichtiger Anteilnahme und zahlreichen Gedanken zu jeder Tagesstunde,
Dominik Denne mitsamt der ganzen Familie
aus Piskowitz.