Mein letzter Eintrag war offensichtlich dazu angetan, Irritationen und Missverständnisse hervorzurufen. Sie haben vollkommen Recht , liebe Susanne, wenn Sie die Berechtigung, Vergebung oder Vergeltung zu üben, in erster Linie dem Opfer resp. den Opfern zusprechen. Anneli selbst kann leider weder das eine noch das andere tun. Aber sind wir nicht alle Opfer dieser beiden Verbrecher geworden ? Sie sind nach eigenem Bekunden zutiefst betroffen, spüren die Folgen der Tat persönlich, wollen sich aber nicht mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Das ist zu respektieren, wenn man Ihrer Interpretation folgt. Ulrike und ich sind aufgrund unseres Glaubens in Gewissensnöte geraten. Ich darf erwähnen, dass die Untat an Anneli mein Leben verändert hat; so, dass ich nach wie vor täglich mit dem Gedanken an Anneli und ihre Familie schlafen gehe und ebenso wieder aufstehe; so, dass mich immer wieder plötzliche Traurigkeit schmerzhaft überfällt, insbesondere dann, wenn ich fröhliche, unbeschwerte junge Menschen sehe; so, dass ich in meinem nicht kurzen Leben von tiefem Hass erfüllt wurde und immer noch werde. Immer und immer wieder quälen mich Fragen, auf die ich keine befriedigende Antwort finde: Warum wurde keine Sicherungsverwahrung für B. angeordnet ? Warum kommt K., obwohl als Mörder verurteilt, mit einer derart lächerlichen Strafe davon ? Warum hat die Staatsanwaltschaft ihre Revision zurückgezogen ?Warum ist das Gericht ganz offensichtlich einfühlsamerr mit den Tätern umgegangen als mit den Hinterbliebenen ? Ich kann mich nicht mit dem Gedanken abfinden, dass ein Täter vielleicht bald schon wieder in die Freiheit zurückkehrt und der andere vermutlich auch irgendwann wieder sein Leben geniessen kann. Ich werde jedenfalls alles in meiner Macht Stehende tun, um den beiden Nichtmenschen das Leben so schwer wie möglich zu machen, natürlich im Rahmen unserer Rechtsordnung. Und Familie Riße , insbes. Herr und Frau Riße ? Die Grausamkeit, sein Kind durch ein Verbrechen zu verlieren, steht der Grausamkeit der Tat als solcher in nichts nach. Sie hätten alles Recht der Welt, die Täter nicht nur zu hassen, sondern auch Vergeltung, auch durch Gewalt, zu üben. Und doch haben sich Frau und Herr Riße nicht blankem Hass, den Ulrike zu Recht als Gift für einen selbst bezeichnet, oder gar blindwütiger Rache verschrieben, nein, sie haben den Weg des Rechts beschritten und auf wenigstens ein bisschen Genugtuung durch den Richterspruch gehofft. Und haben ihn ebenso wie vermutlich viele andere Menbschen nicht verstanden. Die Aussage aber, nicht ein Unrecht durch ein anderes Unrecht vergelten zu wollen, zeugt von einer großartigen Haltung der Rißes und davon, dass sie sich trotz allen Leids etwas bewahrt haben, was weder Anneli noch sie seitens der Täter erfahren durften: Menschlichkeit . Ich hoffe, dass wenigstens das Vorhaben, die Täter finanziell zu ruinieren, von Erfolg gekrönt sein wird.
Und , liebe Susanne, NEIN, ich würde und werde Markus Besser und Norbert Klein NICHT vergeben !