Liebe Annelie und Familie, ich habe lange nicht mehr geschrieben. Das letzte, was von mir an sichtbare Reaktion kam, war, dass ich Dir und deiner Familie als Fremde aus Mitgefühl im vorletzten Winter an dein Grab eine weiße Glasvase mit Blumen und Brief gewidmet hatte. Ich hatte auf dem Weg von Süddeutschland nach Norddeutschland extra einen Umweg mit meinem Mann zusammen zu deinem Grab gemacht. Ich bin weder bei Facebook noch in anderen Foren, ich bin einfach nur eine -wenn auch Fremde - von deinem Schicksal zutiefst Berührte.
Vergebung, wie merklich in vorherigen Einträgen, ist wirklich ein ganz schwieriges zerreißendes Thema. Ein paar Gedanken dazu von mir: Ich würde mich damit nicht ausreinandersetzen aus folgendem Grund: Nur Anneli und jedes Opfer dieser Welt kann Vergebung erteilen. Warum sollte Vergebung von Zurückgelassenen gegeben werden, wenn wir doch gar nicht wissen, ob ein Opfer vergeben würde für das, was es erleiden musste. Würde meinem Kind etwas so Grausames angetan werden, würde ich niemals für mein Kind über Vergebung entscheiden, das würde mir gar nicht zustehen.. Ich muss doch davon ausgehen, dass ich mir mit Recht von meinem Kind sagen und vorwerfen lassen muss "Wie kannst du nur vergeben, bei den Schmerzen und der Todesangst, die ich hatte und bei dem, was mir genommen wurde". Es ist Annelie, welcher das höchste Gut, ein gesundes junges Leben, bestialisch genommen wurde. Ich denke, nur die Opfer dürfen entscheiden.
Meine aufrichtige Anteilnahme für Annelie und die vielen Tränen Ihrer Familie und Freunde. Susanne