Ich bin sehr dankbar für den Beitrag von Ulrike v. 16.09. Während unseres Urlaubs durften wir am letzten Sonntag. im Regensburger Dom während des Gottesdienstes das allseits bekannte Gleichnis hören vom undankbaren Knecht, dem sein Herr seine Schulden erließ, der aber seinerseits nicht bereit war, seinem Schuldner gegenüber Vergebung walten zu lassen. Die anschließende Predigt hat mich dann doch ziemlich aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht. Nach wie vor bin ich erfüllt von Rache-, ja Hassgedanken gegenüber den Tätern und es vergeht nicht ein einziger Tag, an dem diese Gedanken mich ebenso beschäftigen wie die Trauer um Anneli. Und ebenso wie Sie, liebe Ulrike, stelle ich mir immer wieder die Frage: Verlangt Gott wirklich von uns die unmenschliche Kraft, Menschen, die unendliches Leid über Andere bringen, zu vergeben ? Und wenn wir das nicht können, haben wir dann das Recht, Vergebung eines schuldhaften Verhaltens, welches wir u.U. begehen, zu erwarten oder zu verlangen ? Und ich bin ebenfalls völlig überfordert mit einer befriedigenden Antwort, freue mich aber, dass ich nicht alleine mit dieser wortwörtlich herzzzerreissenden Fragestellung bin. Und noch etwas hat sich in meinem Gedächtnis festgebrannt: Vor 10 Jahren wurde die 14 jährige Hannah ebenfalls grausam ermordet. Ihr Vater antwortete in einem Interview auf die Frage, ob er den Täter hasse : Ich kann ihm nicht vergeben, aber ich hasse ihn nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass eine solche Einstellung vielleicht hilft, etwas Ruhe in das eigene Leben zu bringen, ohne sich zu überfordern oder aufzugeben.