Liebe Frau Riße, lieber Herr Riße, den zweiten Jahrestag des Verbrechens an Ihrem Kind möchte ich zum Anlass nehmen, Ihnen einmal meine grenzenlose Bewunderung und meinen uneingeschränkten Respekt für Ihre gesamte, von Anstand, Würde und übermenschlicher Kraft geprägte Haltung auszusprechen. Anneli-Marie wäre ganz sicher sehr stolz auf Sie. Jeder hätte verstanden, wenn Sie gewalttätig gegenüber den Verbrechern geworden wären, wenn Sie sich vehement über das Verhalten der Richter und Anwälte beklagt , wenn Sie diese Rechtsprechung beschimpft hätten. Stattdessen haben Sie sich ausdrücklich zu unserer Rechtsordnung bekannt, obgleich Sie zusätzlich zu Ihrem Schmerz und der Verzweiflung Rücksichts-und Respektlosigkeiten selbst vor Gericht noch ertragen mussten; angefangen beim Verbot, ein Foto von Anneli aufzustellen ( warum eigentlich, der Mörder durfte seine Fratze verstecken ! ) über die "Strategie" der Anwälte, einen Täter als "Opfer" des anderen hinzustellen bis hin zu dem perfiden Versuch, die Täterschaft des Hauttäters in Frage zu stellen. Dass nunmehr einer der beiden Mörder voraussichtlich mit einem grotesk geringen Freiheitsentzug von 5 Jahren ( insgesamt !!! ) davon kommt, ist wohl ein typisches Zeichen dafür, dass der Täterschutz nach wie vor einen höheren Stellenwert zu besitzen scheint als das Leid der Opfer, und zwar a l l e r Opfer.
Liebe Familie Riße, Sie haben völlig uvorbereitet und ohne jegliches Verschulden das Grauen in Gestalt dieser beiden menschlichen Trümmerhaufen kennenlernen müssen. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie in Zukunft nur noch Respekt, unendliche Zuneigung und sehr viel Liebe erfahren. Immer wieder bringen Menschen das mit sehr rührenden und berührenden Worten, Gedichten und Texten auch in diesem Gästebuch zum Ausdruck, viel besser, als ich es kann. Nur das macht eine Gesellschaft aus, in der es sich zu leben lohnt.
Auch künftig wird nicht ein Tag vergehen, an dem meine Gedanken nicht bei Anneli-Marie und bei Ihnen sind.
Seien Sie herzlichst gegrüßt.
Ihr Reinhold Kroll