Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

wir möchten uns von ganzem Herzen bei all denen bedanken, die in dieser schweren Zeit ihr Mitgefühl, ihre Anteilnahme und ihre Unterstützung ausgedrückt haben. Die überwältigende Anzahl an lieben Worten und Gesten hat uns in unserer Trauer und unserem Schmerz tief berührt. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie sehr uns die Wärme und Liebe, die wir von Ihnen erfahren haben, geholfen haben, mit dem Verlust unserer geliebten Anneli-Marie umzugehen. Ihre aufmunternden Worte und Erinnerungen an sie haben uns Trost gespendet und uns gezeigt, wie sehr sie von vielen Menschen geschätzt wurde. Wir möchten uns auch bei allen bedanken, die uns in dieser schweren Zeit unterstützt und begleitet haben. Ihre Fürsorge und Hilfe haben uns geholfen, inmitten der Dunkelheit einen Weg zu finden. Unser Dank gilt auch den Ermittlungsbehörden und allen, die daran beteiligt waren, Gerechtigkeit für Anneli-Marie zu suchen. Ihre unermüdliche Arbeit hat dazu beigetragen, dass die Täter vor Gericht gestellt und zur Rechenschaft gezogen wurden. Wir werden Anneli-Marie immer in unseren Herzen tragen und die Erinnerung an sie in Ehren halten. Nochmals vielen Dank für Ihre liebevollen Worte und Ihr Mitgefühl.

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Survivor
05/09/2016 at 21:49
Liebe Trauernde und Gequälte, ich wage meinen Gruß und meine Geschichte in die Ferne zu senden, in der Hoffnung es kommt tröstlich an. In frühester Kindheit war ich schwerster Gewalt ausgesetzt. Hinzu kommt, dass lebensbedrohliche Gewalt leider mehrfach (verschiedene Orte / verschiedene Menschen) geschah. Wäre es nur einmalig gewesen, so wäre es für mich leichter einzuordnen, zu überwinden, mein Weltbild wäre erfreulicher, mein Glaube an die Menschheit größer, der Glaube an mich, mein Wertgefühl wäre höher, mein Lebenswille und meine Schaffenskraft wären stärker. Aber mein Weltbild wurde sehr früh und tief erschüttert. Ich habe seltsamerweise überlebt, bin erwachsen geworden, trage aber Folgen in mir. So sehr ich mich bemühe, ich werde die Last nicht dauerhaft los. Mit den Abgründen der menschlichen Seelen habe ich mich - no­lens vo­lens - von Kindheit an beschäftigt, inzwischen also viele Jahrzehnte lang. Viele Jahre blieb es abwechselnd bei sprachlosem Reflektieren und Verdrängen, erst spät und unter Qual fand ich halbwegs passende Worte. Ein stabiles Urvertrauen hatte ich kaum: Ich hatte - abgesehen vom ersten Lebensjahr - nie eine wirklich unbeschwerte heile Welt. Die Täter stammten aus dem Umfeld, dem man vertraut. Bittere Erkenntnisse. Manchmal, wenn Erinnerungen unerträglich werden, kommt mir in den Sinn "Hätte es damals doch nur ein Ende gehabt, ich will nicht mehr" und "Eine kürzere Qual ist besser als jahrzehntelange Qual." Danach sage ich mir "Es hatte aber kein Ende" und "Was kann ich tun?" und "Kann ich überhaupt etwas tun?" --- Schlimme Erlebnisse prägen und verändern Menschen. Am eigenen Leib kennengelernte Qual verändert den Blick. Auch Anneli hätte sich zweifellos verändert, falls sie die Tat überlebt hätte. Ich betrachte sie als "Schwester im Geiste". Sie ist nicht weg, sie ist verwandelt, transformiert, ihr Wesen wirkt fort. Ich sehe sie als wunderbaren Schutzengel für Kinder und Jugendliche, denen auf Erden Gewalt widerfährt, denn genau das würde ich tun, falls ich damals nicht überlebt hätte. Sie reicht geschundenen Menschenkindern unsichtbar die Hand, sie tröstet, sie steht ihnen bei. Sie freut sich am glücklichen Lächeln, das sie bewirkt, und sie hat viel zu tun. Helfen wir Anneli? Können wir, die wir auf Erden weilen, ebenfalls eine Kleinigkeit tun? Jeder an der Stelle, wo er hingestellt wurde? Es gibt so viele geschundene Kinderseelen. Die Sanktion von Tätern ist wichtig, um halbwegs Gerechtigkeit auf Erden zu schaffen. Werden wir nach der Trauer den Blick erheben, und uns - je nach Kräften - einer geschundenen Kinderseele zuzuwenden, die liebevolle Zuwendung und Hilfe benötigt?
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