Liebe Familie Riße,
ich weiß gar nicht, wie ich meine Gedanken richtig in Worte fasse. Jedenfalls sind sie heute - wie so oft im zurückliegenden Jahr - ganz besonders bei Ihnen. Ich hoffe, die Staatsanwalt kann ihre Forderung durchsetzen. Für die beiden Verbrecher darf nur die höchst mögliche Strafe gelten! Ein Hohn, wie die Verteidigung versucht, das Tun dieser Bestien zu verharmlosen!
Ich habe Annelie-Marie erlebt - als Baby. Als sie den täglichen Weg zum Bus u. nach der Schule wieder die "Gasse" bergauf stiefelte. "Ist Bruno eingelaufen?" witzelte ich, als sie (vor Jahren) mit dessen kleinem Ebenbild gelaufen kam. Sie erzählte von Brunos traurigem Ende u. das hier an der Leine sei Paula - ein kleines Hunde"mädchen". Sie wusste ziemlich genau, dass Paula später als Hundedame, bestimmt noch weiter läuft, um interessante Hundepartner zu treffen, als einst Bruno. Wenn ich bei der Gartenarbeit war, war ein kurzer Plausch mit Annelie willkommene Abwechslung. Sie wuchs zu einem hübschen jungen Mädchen, war stets freundlich. Wenige Tage vor ihrem beunruhigenden Verschwinden besuchte sie mit Papa dienstlich die Baustelle auf unserem Hof. Offenbar hatte sie für die letzten Ferientage einen Ferienjob in Vaters Firma, das fand ich gut. Ebenso, als sie mit ihrer Mama im Cabrio vorbei kam - mit im Fahrtwind wehendem blonden Haar. "Sicher dauert ´s nun gar nicht mehr lange, wird Annelie mit eigenem Führerschein starten, nicht nur über Straßen, sondern ins eigene, ganz selbständige Leben. Sie wird ihren Weg machen." - so etwa waren damals meine Gedanken und das fand ich richtig gut.
Dieses hoffnungsvolle Leben, das Glück einer Familie wurde von diesen beiden Gangstern brutal zerstört - da kann es keine mildernden Umstände geben! Liebe Familie Riße, seien Sie stark - wenn auch nicht persönlich, so bin ich (wie sicher manch andere, gerade aus unserem beschaulichen Ort) in Gedanken oft bei Ihnen.