Vor einem Jahr, am 14. August 2015, geschah das Unfassbare: Ihnen, Familie Riße, wurde Ihre geliebte Tochter Anneli Marie genommen, und in diesem letzten Jahr haben Sie das ganze Grauen des Verbrechens und die Qualen von Annelis letzten Lebensstunden selbst noch einmal durchstehen müssen. Das alles nahm furchtbare Gestalt an, indem Sie den Anblick der beiden Mörder im Gericht aushalten mussten. - Die Zeit heilt Wunden? Ich weiß nicht. Jedenfalls hat mich und sicher viele andere die tiefe Traurigkeit immer wieder in diesem letzten Jahr überfallen, wenn ich an Anneli gedacht habe, und es ist kein Tag ohne das Gedenken vergangen: Wenn ich durch einen Text in der Zeitung an das Schreckliche erinnert wurde oder einen wolkengeschmückten Sommerhimmel sah und dachte: so könnte der Himmel an Annelis letzten Stunden auch ausgesehen haben und....und....
Jetzt heißt es aber auch vorwärts blicken: Ich hoffe, sicher zusammen mit den vielen anderen Mittrauernden, auf ein gerechtes und bitte gnadenloses Gerichtsurteil, wenn auch die härteste Strafe nichts wieder gut machen kann. Und Ihnen wünsche ich, dass dieses letzte Jahr für Sie noch genug Kraft zum Weiterleben übrig gelassen hat.
Mir ist eins klar: ich werde Anneli und Sie niemals vergessen.
H.-G. Grundner