Liebe Familie Riße, seit einem Jahr trauern wir um Anneli; ja, ich schreibe wir weil ganz offensichtlich viele Menschen sehr ähnliche Empfindungen haben wie ich. Und offensichtlich haben die vielen mitfühlenden, ehrlichen, liebevollen Beiträge so wie bei mir das Ziel,
unser Herz irgendwie zu entlasten, indem wir verzweifelt versuchen, zu begreifen, was nicht zu begreifen ist und zu trösten, wo eigentlich kein Trost möglich ist. Ich fühle mich unendlich hilflos, maßlos traurig und bin mittlerweile von grenzenlosem Hass gegenüber den Tätern und ebenso grenzenlosem Unverständnis gegenüber den Anwälten erfüllt. Beim täglichen Lesen des Gästebuches fühle ich mich mittlerweile fast wie in einer guten Gemeinschaft aufgehoben. Und ich lese von sehr berührenden Schicksalen. Liebe Familie Riße, ich hoffe, es ist Ihnen recht, wenn ich im Gästebuch für Anneli einmal das Gedenken für die vielen Opfer und ihre Familien erwähne, die durch furchtbare Verbrechen oder durch tragische Unfälle ihr Leben verloren haben. Ich habe mich mittlerweile in einige Schicksale "hineingelesen" und möchte den Betroffenen gerne sagen, dass sie mich -ähnlich wie bei Anneli - auch ohne persönliche Beziehung berühren. Für den Prozess, den Sie so tapfer und bewunderswert durchstehen, durchleiden, wünsche ich Ihnen alle erdenkliche Kraft. Und denken Sie daran: Sie haben Freunde, Sie haben Menschen, die Sie lieben und die Ihre Liebe brauchen. IhrLeben ist im Gegensatz zu dem der Täter nicht sinnlos.